Stellungnahme der JugendAkademie Segeberg zur aktuellen Debatte um das Bundesprogramm „Demokratie leben!“
Die JugendAkademie Segeberg verfolgt die aktuelle politische Debatte um die Neuausrichtung des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ mit großer Aufmerksamkeit und Sorge.
Die Diskussion um den Umbau des Programms – einschließlich der Beendigung zahlreicher Projekte und der grundlegenden Neuorganisation – zeigt, wie umkämpft die Rolle zivilgesellschaftlicher Demokratieförderung derzeit ist.
Gerade in dieser Debatte wird deutlich, dass es nicht nur um Förderstrukturen geht, sondern um die grundsätzliche Frage, welchen Stellenwert Engagement, Vielfalt und politische Bildung in unserer Gesellschaft haben.
Als Einrichtung der politischen Jugendbildung möchten wir dabei den Blick bewusst auf junge Menschen richten:
Für Kinder und Jugendliche ist „Demokratie leben!“ weit mehr als ein Förderprogramm. Es schafft konkrete Räume, in denen sie Demokratie erleben, erproben und mitgestalten können. Projekte der Demokratieförderung ermöglichen es ihnen, eigene Positionen zu entwickeln, gesellschaftliche Konflikte einzuordnen und sich aktiv einzubringen.
Die aktuellen Entwicklungen bedeuten daher für viele junge Menschen einen direkten Einschnitt:
Bewährte Projekte werden gestoppt, Beteiligungsformate brechen weg und gewachsene Vertrauensstrukturen geraten ins Wanken.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte ist besonders kritisch zu bewerten, dass politische Entscheidungen getroffen werden, bevor umfassende Evaluationen abgeschlossen sind und ohne ausreichende Einbindung der zivilgesellschaftlichen Träger. Dies steht im Spannungsfeld zu dem Anspruch, Demokratieförderung wirksam und nachhaltig weiterzuentwickeln.
Gleichzeitig beobachten wir mit Sorge Tendenzen innerhalb der Debatte, die zivilgesellschaftliche Akteur*innen pauschal infrage stellen oder ihre Arbeit unter Generalverdacht stellen. Eine solche Entwicklung schwächt das Vertrauen – gerade bei jungen Menschen, die demokratische Prozesse erst kennenlernen und auf glaubwürdige Strukturen angewiesen sind.
Politische Jugendbildung leistet einen zentralen Beitrag dazu, junge Menschen in ihrer Handlungsfähigkeit zu stärken, sie zur Teilhabe zu ermutigen und sie gegen demokratiefeindliche Tendenzen zu sensibilisieren.
Diese Arbeit ist angesichts zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung, wachsender Unsicherheiten und der Verbreitung extremistischer Narrative wichtiger denn je.
Die JugendAkademie Segeberg steht für eine starke, vielfältige und demokratische Jugendgesellschaft. Wir setzen uns dafür ein, dass junge Menschen:
- ihre Stimme entwickeln und wirksam einbringen können
- demokratische Prozesse verstehen und aktiv mitgestalten
- Vertrauen in gesellschaftliche Institutionen aufbauen
- in einer offenen, respektvollen und solidarischen Gesellschaft aufwachsen
Gerade die aktuelle Debatte um „Demokratie leben!“ muss daher aus unserer Sicht vor allem eine Frage beantworten:
Wie sichern und stärken wir die demokratische Zukunft junger Generationen?
Wir fordern deshalb im Kontext der laufenden Diskussion:
- eine transparente, nachvollziehbare und evidenzbasierte Weiterentwicklung des Programms
- eine aktive und verbindliche Beteiligung zivilgesellschaftlicher Träger an den Entscheidungsprozessen
- den Erhalt und Ausbau von Angeboten, die sich gezielt an junge Menschen richten
- langfristige und verlässliche Förderstrukturen für politische Jugendbildung
- Eine lebendige Demokratie braucht Räume, in denen junge Menschen Erfahrungen sammeln, sich ausprobieren und Verantwortung übernehmen können. Diese Räume dürfen nicht geschwächt, sondern müssen gezielt gestärkt werden.
Die JugendAkademie Segeberg wird sich weiterhin engagiert in die Debatte einbringen und sich konsequent für die Interessen junger Menschen, ihre Teilhabe und eine starke demokratische Kultur einsetzen.
gez. Ali Evdedurmaz
Leiter der JugendAkademie Segeberg
Holger Lück
Geschäftsführer VJKA